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Unsolidarisch, unsozial und empathielos

Diese drei Eigenschaften – unsozial, unsolidarisch, empathielos – wurden mir in den letzten Wochen häufig vorgeworfen. Oft von Menschen, die ich gar nicht kenne. Aber auch von Menschen, die ich persönlich kenne.

Das trifft mich nicht

Das trifft mich nicht. Denn es sagt nichts über mich aus. Seit ca. 7 Jahren bin ich auf Facebook und Co. Aktiv. Und wenn ich in dieser Zeit eines gelernt habe: Die Kommentare der Menschen dort sagen nur etwas über sie selbst aus. Nichts – aber auch gar nichts – über mich.

Warum schreibe ich das hier trotzdem?

Es macht mich betroffen

Weil es mich betroffen macht. Es macht mich betroffen, wie mit Menschen umgegangen wird, die nicht einfach alles ungefragt schlucken. Die sich verschiedene Seiten und Meinungen anschauen und nicht kritiklos alles hinnehmen.

Also sozusagen die paar wenigen schwarzen Schafe, die es im Moment gibt.

Ich habe keinen Fernseher

Ich schaue keine Nachrichten. Jedenfalls nicht täglich und auf keinen Fall ungefiltert einfach die, die mir vollautomatisch vor die Nase gesetzt werden.

Natürlich habe ich mir Beiträge zum C-Virus angeschaut. Viele. Viele verschiedene. Staatlich verordnete. Gegenstimmen. Ich habe mir die Argumente ganz vieler Experten angehört. Ich habe mir die offiziellen Seiten und Zahlen vom Robert-Koch-Institut und auf Euro-Momo angesehen.

Ich bin auch auf viele Beiträge oder Videos gestoßen, bei denen ich tatsächlich nach einem Absatz oder einer Minute mit dem Konsum aufgehört habe. Da hatte ich mehr so den Eindruck, da fühlt sich jemand schon immer von allem und jedem verfolgt. Nicht mein Ding.

Manche Zahlen, die ich gerne gehabt hätte, habe ich leider nicht gefunden. Obwohl es sie sicher irgendwo gibt. Andere, von denen ich mir gewünscht hätte, dass sie erhoben werden, wurden es nicht. Und werden es immer noch nicht.

Eigene Schlußfolgerungen

Jedenfalls habe ich aus all diesen Informationen ganz alleine und ganz eigene Schlüsse gezogen. Und mir kamen dabei jede Menge Fragen in den Kopf. Fragen, die ich gerne unseren Politikern gestellt hätte. Aber auch Fragen, die ich gerne dem ein oder anderen Virologen oder anderen Experten gestellt hätte.

Ich hätte mir gewünscht, dass sich da mal alle ganz offen an einen Tisch setzen und miteinander diskutieren. Denn die eine Wahrheit gibt es nicht. Und was genau am Ende das Beste gewesen wäre, wissen wir sowieso erst hinterher.

Viele Fragen sind entstanden

Seit vielen Wochen habe ich viele Fragen, die mir durch den Kopf gehen. Zum Glück habe ich in meinem Umfeld im wahren Leben viele kritische Menschen. Wundert mich jetzt nicht. Wir haben viel diskutiert und geredet. Das hat mir geholfen.

Natürlich weiß ich nicht die Antworten. Wir alle wissen viele Antworten nicht. Man kann nur abwägen.

Aber ich denke, man darf Fragen stellen. Und es macht mich traurig und ich werde stutzig, wenn die Menschen sich das nicht mehr wagen. Oder wenn man es wagt, in der Luft zerfleischt wird.

Wo bleibt die Toleranz?

Aluhutträger, C-Leugner, Verschwörungstheoretiker, unsozial, unsolidarisch, empathielos, verantwortungslos und viel schlimmere Beschimpfungen sind einem sicher.

Dabei habe ich nie irgendwo behauptet, dass etwas wahr ist oder unwahr. Ich habe nur Fragen gestellt. Ich habe verschiedene Meinung geteilt.

Und geschrieben, was mich betroffen macht. Also mich ganz persönlich. Weil nur das weiß ich.

Ich mache mir Sorgen

Ganz ehrlich. Wenn mir vor 6 Wochen jemand erzählt hätte, dass es innerhalb weniger Tagen möglich ist, die Grundrechte in der BRD komplett außer Kraft zu setzen und die Verantwortung für unser Land bei einer einzigen Person liegt, den hätte ich ausgelacht.

Für mich war das unvorstellbar. Ist es irgendwie immer noch. Aber doch Realität geworden.

Betroffen gemacht hat mich, als ich mir ein Video eines Virologen ein zweites Mal anschauen wollte und es vom Netz verschwunden war. Das Gleiche passierte mit einem Video von einem mir völlig unbekannten Menschen, der all die Fragen stellte, die mir auch in den Kopf gekommen sind. Der nichts weiter in seinem Video getan hatte, als zum Nachdenken aufzurufen.

Das war der Moment, wo ich ehrlich betroffen war. Freie Meinungsäußerung ist für mich einer der wichtigsten Werte, die wir in unserem Land haben. Im Osten Deutschlands war das vor nicht allzu langer Zeit leider nicht der Fall. Der ein oder andere mag sich noch erinnern. Da hatten die Menschen Angst.

Und unsere älteste Generation hat diesen Zustand in ganz Deutschland noch miterlebt.

Nicht alles einfach glauben

Kritisch zu hinterfragen und nicht einfach zu glauben, was einem vorgebetet wird, ist derzeit nicht nur unerwünscht. Sondern man wird beschimpft in einer Art und Weise, dass man sich nur noch wundern kann.

Und ganz ehrlich: Sich kritisch mit etwas auseinanderzusetzen, hat noch nie geschadet. Es geht doch nicht darum, dass einer Recht oder Unrecht hat.

Es geht doch darum, gemeinsam (!!!) einen Weg zu finden, der möglichst wenig Schaden anrichtet. Und zwar möglichst wenig Schaden in allen Bereichen.

Und wenn eines über den Virus feststeht, dann das: Er kann nicht über ein Video oder einen kritischen Beitrag verbreitet werden.

Wenn die Argumente der einen Seite derart stichhaltig sind, dass nur diese richtig sein können, dann muss es doch leicht sein, in einem gemeinsam Gespräch die Gegenseite zu widerlegen.

Zensur ist keine Lösung

Dann kann doch nicht Zensur die Lösung sein.

Aber es kommt ja noch schlimmer. Da trauen sich Menschen nicht mehr aus dem Haus, weil sie Angst haben, denunziert zu werden. Nein, das ist leider nicht irgendwo gelesen. Sondern aus allererster Hand.

Ich spreche mit vielen Menschen. Und ich frage viel. Kann man jetzt sagen, ich bin neugierig. Ja, stimmt. Ich sage lieber: Ich bin interessiert.

Nein, wirklich. Es interessiert mich einfach. Und deshalb frage ich. Wenn mir jemand nicht antworten möchte, muss er ja nicht. Aber fragen darf und kann ich. Und mach ich. Und ich bekomme Antworten. Manche machen mich traurig. Manche betroffen. Manche nachdenklich.

Auf der anderen Seite gibt es tatsächlich Menschen, die den ganzen Tag offenbar nichts anderes zu tun haben, als darauf zu lauern, wo irgendjemand vielleicht in irgendeiner Form gegen die derzeit gültigen Regeln verstößt. Und dann das ein oder andere dagegen unternehmen.

Und dass Polizisten völlig überreagieren. Ich mag unsere Polizei. Ich habe wirklich kein Problem mit denen. Ich kenne sehr viele nette Polizisten. Und mir hat die Polizei schon öfter geholfen. Aber wie manche die Lage jetzt offenbar für persönliche Machtspielchen nutzen. Das geht nicht. Meine Meinung. Nur meine ganze persönliche Meinung.

Klare Regeln Fehlanzeige

Warum ist unsere Regierung nicht mal wenigstens jetzt in der Lage, klare Regeln rauszugeben?

Alle sind damit beschäftigt, für sich selber nachzufragen. Was ist erlaubt? Was ist nicht erlaubt?

Jeder kocht sein eigenes Süppchen.

Von Land zu Land. Ja, sogar von Stadt bzw. Kreis zu Kreis wird es völlig unterschiedlich gehandhabt.

Und das wird es für mich dann sehr nebulös. Haben wir in Bayern einen anderen Virus als in Hessen? Und in Rheinland-Pfalz verhält er sich wieder anders?

In manchem Bundesländern hält er sich mehr indoor auf. In anderen ist er draußen besonders gefährlich. Jedenfalls, wenn man sich anschaut, was geöffnet werden darf und was nicht. Und was erlaubt und verboten ist!

Warum diese Panikmache?

Wie auch immer. Ich frage mich, wo bleibt die Verhältnismäßigkeit?

Warum wird die ganze Zeit immer nur Panik verbreitet. Ich bekomme langsam den Eindruck, da ist System dahinter.

Mein persönliches Fazit

Mein Fazit aus all dem, was ich den vielen Zahlen und Berichten der Experten entnehmen und für mich logisch schließen konnte:

Es gibt viele sinnvolle Maßnahmen. Einiges kann gerne beibehalten werden. Öfter mal Einkaufswagen zu desinfizieren, schadet zum Beispiel sicher nicht.

Vieles ist meiner Meinung nach übertrieben. Das meiste ist unklar.

Ich persönlich habe keine Angst vor dem Virus. Da ich über 60 bin, gehöre ich wohl zur Risikogruppe. Mir sind bei mir keine Vorerkrankungen bekannt. Mein Übergewicht habe ich zum Glück letztes Jahr schon erheblich reduziert und arbeite weiter daran. Das senkt das Risiko ebenfalls erheblich. Aber das gilt ja bei Übergewicht für viele Krankheiten.

Ich möchte gerne selbst bestimmen, wen ich wann besuche oder von wem ich mich besuchen lasse. Und ich möchte selbst darüber entscheiden, ob ich mich impfen lasse oder nicht. Ich möchte meine Meinung frei äußern können. Ohne Zensur. Und ich möchte mir auf keinen Fall das Recht nehmen lassen, kritisch zu hinterfragen.

Was mir Angst macht

Und da sind wir bei dem, was mir wirklich Angst macht gerade: Das ist der Umgang mit Menschen, die nicht mit der großen Masse rennen.

Ich habe einmal gewagt, diese Angst zu äußern in den sozialen Medien. Meine ganz persönliche Angst. Unglaublich, was dann passiert. Das hat meine Angst nicht verringert, sondern bestätigt, dass ich sie offenbar zu recht habe.

Zurückfinden

Mir hat dieser Virus viel Energie geraubt in den letzten Wochen. Und irgendwie tut er das immer noch. Ich darf in Hessen nach wie vor weder Einzel- noch Gruppenunterricht halten in der Hundeschule (im Gegensatz zu anderen Bundesländern). Und es ist nicht mal ein Termin bekannt, wann es wieder möglich sein wird. Ich habe beim Ministerium nachgefragt, aber noch keine Antwort erhalten.

Und natürlich macht mir auch das Sorge. Wenn alles, was ich mir in den letzten 20 Jahren aufgebaut habe, auf einmal bedroht ist. Ich habe die letzten 42 Jahre sehr solidarisch und sozial Steuern und andere Abgaben bezahlt, auch wenn ich jetzt als unsolidarisch und unsozial bezeichnet werde, wenn ich mir Sorgen um meine Existenz mache.

Das geht vielen anderen auch so. Es nützt doch niemandem, wenn hinterher die Hälfte der Gesellschaft arbeitslos ist. Oder doch? Ich weiß es nicht.

Glück im Unglück

Zum Glück habe ich zusätzlich zu meiner Hundeschule vor Ort auch ein kleines Online-Business aufgebaut. Das hilft mir jetzt natürlich. So bleibt mir wenigstens ein Teil meines Umsatzes. Wenn ich das nicht hätte, weiß ich nicht, wie ich jetzt dastehen würde. Andere haben nicht mal das. Ich fühle wirklich mit mit all denen, die jetzt um ihre Existenz bangen.

Ich lebe ehrlich gerne in Deutschland. Ich wollte noch nie auswandern. Ich bin froh und dankbar, dass ich in einem demokratischen Land geboren wurde, in dem mir alle Möglichkeiten offen stehen.

Und in dem es bisher auch die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung gab.

Wünsche

Freie Meinungsäußerung. Recht auf Selbstbestimmung. Wichtige Grundrechte. Ich wünsche mir, dass das so bleibt. Oder jedenfalls wieder so wird.

Wenn ich mir noch etwas wünschen darf, dann mehr Toleranz und Verständnis füreinander.

Zurück in meine Energie kommen

Ich habe gemerkt, dass ich mich an manchen Tagen völlig verloren habe in dem ganzen Viren-Chaos.

Und für mich beschlossen, dass ich zurück in meine Energie kommen will. All meine Energie wieder fokussiert auf mein Business richten will. Mein Wissen an die Menschen weitergeben kann, die davon profitieren wollen und können.

Und ja, natürlich auch, damit mein Business weiter besteht. Ich liebe, was ich tue. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich die Vision habe, so vielen Menschen wie nur möglich zu zeigen, dass Hundetraining auf nette Art funktioniert.

Und sie dabei zu unterstützen, es auch umzusetzen. Und zu erfahren, was man selbst dadurch für sein ganzes Leben mitnehmen kann. Ich glaube daran, dass ich die Welt für viele Hunde und deren Menschen ein bisschen – ach, was, sehr, sehr viel – besser machen kann. Das ist meine Mission und darauf konzentriere ich mich jetzt weiter.

Ich lerne täglich dazu

Ich selber lerne ja auch täglich dazu. Und hole mir Unterstützung, wo es aus meiner Sicht notwendig ist.

Deshalb habe ich mich am Samstag wieder bei Veit Lindau (Homodea) angemeldet. Ich habe vor einigen Jahren bereits einen Kurs bei ihm gemacht (damals noch Humantrust), der mir sehr geholfen hat, als ich in einer persönlichen Krise steckte.

Letzte Woche habe ich gespürt, dass ich wieder zu mir finden muss. Raus aus der C-Krise. Es gibt ja keine Zufälle, oder? Warum stolpere ich genau jetzt über Veit Lindau? Jahrelang nichts von ihm gelesen oder Werbung gesehen. Und gerade jetzt läuft er mir über den Weg. Passte einfach. Vielleicht kennst du so etwas auch.

Seit Samstag mache ich also mit beim „Erfolgswerk“ und bin gespannt, wie es mir in den nächsten Wochen ergeht.

Was bleibt

Eins steht fest: Kritisch denken und hinterfragen werde ich weiterhin. Nicht einfach die Klappe halten und es ungefragt so machen, wie alle, werde ich auch weiterhin.

Ich wünsche uns allen einen vernünftigen und toleranten Umgang miteinander. Ich wünsche uns allen, dass wir das, was im Moment passiert, gut überstehen.

Claudia

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marita möller - 21. April 2020

Liebe Claudia,

das hast du genau auf den Punkt gebracht, Suuuuper!!!!

Ist ja witzig mit Veit Lindau, da mache ich grad den KURS „digitalstar“… über 3 Monate.

Ich kenne Veit auch schon viele Jahre und bin sei Februar bei homodea…!!

Immer super Angebote…!!

Schöne Restwoche und eine schöne Frühjahrszeit… hoffentlich C-Virus-frei…
Komm doch in meine Gruppe auf FB „HUND ISST GESUND“

Fröhliche Grüße
Marita

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    admin - 21. April 2020

    Super, das ist ja klasse. So klein ist die Welt.

    Ich bin sehr gespannt, wie es bei mir in einem Monat aussieht.
    Claudia

    Reply
Kirstin Adrian-Ziemen - 21. April 2020

Liebe Claudia,

Es ist der richtige Weg, Fragen zu stellen, kritisch zu sein und sich nicht einfach weg zu ducken.
Wir haben es irgendwie verlernt, andere Meinungen zu akzeptieren, auch, wenn wir sie nicht teilen können.
Ich für meinen Teil versuche in erster Linie meine innere Balance und Ruhe zu finden und mir zu erhalten, das wappnet mich inzwischen sehr gut für die gestiegenen Herausforderungen im Hier und Jetzt.
Du machst es genau richtig und bleib wie Du bist, ich, und gewiss eine große Anzahl von anderen Hundemenschen, sind sehr dankbar dafür, dass es Dich so gibt.

Ganz liebe Grüße von Kirstin mit dem Malinois LIMON.

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Tanja - 21. April 2020

Hallo Claudia!

Dein Beitrag hat mir direkt aus dem Herzen gesprochen. Meine Erfahrungen sind ganz ähnlich. Dankeschön für Deine Worte und Deinen Mut!
Alles Gute weiterhin :-))

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Christina - 21. April 2020

Super Beitrag! Empfinde ich genauso! Schade, dass dieser wahrscheinlich bei FB und Co auch gleich wieder gelöscht werden würde oder es harte Kritik regnen würde! Es ist an der Zeit, dass die Masse der Leute endlich mal aufwacht und wieder ihren eigenen Kopf zum Denken benutzt!

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Etosha - 21. April 2020

Gut gebrüllt, Löwin. Etwas mehr Toleranz und weniger Fluchtpunkt-Horizonte würden uns allen gut tun.
Auch hier in AT.

Und nicht mit dem Hinterfragen aufhören! 🙂

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Conny - 21. April 2020

Recht hast du,auch mir macht es Angst fast täglich in eine neue Ungewissheit gestürzt zu werden.Da ist die Existenz die gesichert werden sollte und sei es nur das Minimum, Miete und Strom laufen ja weiter.
Dir einen lieben Gruss aus der Mecklenburgischen Seenplatte Conny

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Andreas - 21. April 2020

Ich denke, die Angst ist das Problem. Angst vor einem neuen, unbekannten Virus, Angst vor den nicht erforschten (physischen) Folgen, Angst durch die von Seiten des Staates, der Länder, ja sogar Gemeinden und Städten getroffenen unterschiedlichen und ungewohnten Maßnahmen – das erzeugt eine diffuse Angst. Hinzu kommt bei ganz vielen eine sehr konkrete Angst: die Existenzangst. Was wird mit meinem Business, was wird mit meinem Arbeitsplatz, wie soll ich über die Runden kommen, wenn ich mein Geschäft nicht öffnen darf, etc.
Manche halten die Maßnahmen und die ganze Aufmerksamkeit für vollkommen übertrieben, halten sich nicht an die Regeln. Damit kann man einer Angst begegnen, s. Donald Trump. Ich erkläre, es gibt kein Corona – und dann gibt es auch kein Corona. Ist eine Möglichkeit, mit diesen Ängsten umzugehen.
Manche trauen sich gar nicht mehr auf die Straße (leider vor allem ältere Menschen, die gut daran täten). Sie igeln sich zu Hause ein, warten, dass die prognostizierte Katastrophe irgendwann vorbeigeht. Auch eine Art, mit den Ängsten umzugehen.
So oder so machen uns diese Ängste krank. Der eine ist stärker betroffen, der andere schwächer, das ist sicherlich ganz individuell. Diese Angst, und das kann man glaube ich heute schon ganz gut feststellen, sorgt bei vielen Menschen für ein „Schwarz/Weiss-Denken“. Es gibt keine Zwischentöne mehr. Entweder alles, was an Maßnahmen getroffen wird, ist richtig und wird rigoros verteidigt. Da fallen dann solche Beleidigungen und Anschuldigungen, von denen du erzählst, Claudia, schnell mal.
Oder die Maßnahmen sind übertrieben, wir werden unserer Freiheit beraubt und werden unter Hausarrest gestellt (und die Verschwörungstheoretiker übernehmen das Ruder).
Wer sich ein bißchen davon lösen kann, wird feststelllen, dass beide Sichtweisen nicht zielführend sind. Politiker beschließen Maßnahmen (und diese fallen schon recht unterschiedlich aus) aufgrund von Meinungen und Prognosen von Experten aus verschiedenen Gebieten: Virologen, Wirtschaftsforscher, … Jeder hat seine eigene Sichtweise, dementsprechend unterschiedlich fallen diese Meinungen und Prognosen aus. Keiner weiss es besser. Vielleicht, nein ganz sicher sogar, sind Fehleinschätzungen dabei. Aber es geht im Augenblick halt nicht besser. Von Anfang an wurde uns gesagt, geht mit gesundem Menschenverstand an diese Pandemie. Schade, hat leider nicht mehr jeder zur Verfügung.
Zum Schluss: ich habe jegliches Verständnis für beide Seiten: diejenigen, die den Maßnahmen blindlings vertrauen und diese um jeden Preis verteidigen (bis hin zu unsachlichen Argumenten), aber auch diejenigen, die aus diesem System ausbrechen wollen und die Situation herunterspielen (und auch dies um jeden Preis verteidigen). Mir geht es nach wie vor gut: ich fühle mich nicht wirklich eingeschränkt, ich muß nicht um meinen Arbeitsplatz fürchten, ich wohne ländlich, nicht in der Großstadt, kann in meinen Garten, kann mit meinem Hund in den Wald gehen. Und genau das erlaubt mir das Verständnis für andere aufzubringen. Vielleicht hilft es, wenn sich jeder einmal ernsthaft fragt, ob es ihm/ihr momentan wirklich so schlecht geht – oder ob er mit seiner ganz individuellen Situation eigentlich doch recht zufrieden sein kann …

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    admin - 21. April 2020

    Ja, Andreas, ich bin da voll bei dir. Ich respektiere die verschiedenen Ängste. Aber dass darüber jegliche Toleranz gegenüber Menschen verloren geht, die andere Ängste haben als man selbst, macht mich schon betroffen. Ich hätte das in dieser massiven Form einfach nicht erwartet. Ich habe gelernt, immer kritisch zu hinterfragen. Und wundere mich jetzt einfach…

    Reply
Bille - 21. April 2020

Ich habe mich, schon vor Corona, zurückgezogen von ,z.B. FB…ich kann die groben,
unmenschlichen Kommentare dort einfach nicht ertragen…Wird denn irgendeine Meinung wahrer durch die Verwendung aller möglichen, eher unmöglichen Bosheiten…Anschuldigungen.
Eine Zeit habe ich gedacht, …das trauen die sich nur im anonymen Netz….
leider musste ich feststellen, das der Ton aber schon herausschwappt ins wirkliche Leben…da fällt der Rückzug dann viel schwerer….
Was hinter dem ganzen C-Wahn steckt wird niemand wirklich beantworten können, zumindest momentan noch nicht…Was mich nur immer wieder Falten ins eh schon faltige Gesicht schreibt, ist die Tatsache, dass es offenbar wenige Menschen gibt mit etwas, das ich hier jetzt mal als Gottvertrauen wage zu bezeichnen, ich habe keine Angst vor diesem Virus, wenn er mich ereilt werd ich ihn hoffentlich gut überstehen…wenn nein… ändert meine KaninchenVorDerSchlangePanik gar nichts… Also leben…leben lassen…die Ängste der Anderen akzepzieren ohne sie sich zu eigen zu machen und gucken was kommt…liebevoll, freundlich, zugewandt. Mein „Trost“ ist immer, dass ich mit mir leben und auskommen muss, die Meckerer und sonstwie Menschen müssen sich den ganzen Tag selbst aushalten und mir ziehen sie nur vorüber…dieser Gedanke hilft mir immer, wenn ich spür, dass ich doch traurig werde…
Liebe Grüße und gsund bleiben…

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    admin - 23. April 2020

    Das hast du sehr schön gesagt.

    Vielen Dank
    Claudia

    Reply
Michaela Specht - 22. April 2020

Liebe Claudia,
Ich kann Dir in allen Punkten nur zustimmen und Du bist nicht allein!!!
Es gibt immer mehr kritische Stimmen….
Eine Bewegung baut sich auf!
Viele solidarische Grüße auch aus Braunschweig an Dich!
Bleibt demokratisch
Michaela

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Brigitte Zimmermann - 23. April 2020

Brigitte

Dass einem in den „sozialen“ Netzwerken, ganz gleich zu welchem Thema und ganz gleich mit welcher Meinung heftiger Gegenwind ins Gesicht bläst, ist doch nicht erst seit Corona bekannt. Warum also die Aufregung, wenn es jetzt auch wieder passiert? Seit es diese Möglichkeiten gibt, anonym seinen Frust über was auch immer los zu werden, werden sie auch genutzt. Und Toleranz war noch nie das große Thema innerhalb dieser Netzwerke. Ich habe mich längst daraus zurückgezogen, weil sie mich in meinem Leben und mit meiner Befindlichkeit keinen Schritt weiterbringen.

Und wenn man in einer Zeit, die geprägt ist von Unsicherheiten und Ängsten aller Art, und die keine wirklichen Antworten hat auf die Frage, was richtig oder falsch ist, in den sozialen Netzwerken auf breite Zustimmung statt Shitstorm hofft, ist man meiner Meinung nach einfach nur naiv.

Für uns alle (auch für Politiker und Wissenschaftler) ist diese Zeit völlig neu. Alle müssen jeden Tag Neues lernen.
Dass es da auch zu Fehleinschätzungen und falschen Entscheidungen kommen kann, halte ich für absolut menschlich. Zur Toleranz gehört für mich auch dazu, dass ich mit solchen Fehlern in meiner Beurteilung auch menschlich umgehe und nicht von vorne herein nur die finstersten Absichten unterstelle.

Und wie es nach dieser Krise um unsere Demokratie bestellt sein wird, wird auch an uns selber liegen.
Wenn wir zu gegebener Zeit unsere Rechte wieder einfordern, werden wir sie auch verteidigen können.
Aber bitte nicht zu früh. Leider bedeutet im Moment noch das individuelle Recht des Einzelnen für viele Menschen den Tod.

Bleibt alle gesund
Brigitte

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    admin - 23. April 2020

    „Für uns alle (auch für Politiker und Wissenschaftler) ist diese Zeit völlig neu. Alle müssen jeden Tag Neues lernen.
    Dass es da auch zu Fehleinschätzungen und falschen Entscheidungen kommen kann, halte ich für absolut menschlich. Zur Toleranz gehört für mich auch dazu, dass ich mit solchen Fehlern in meiner Beurteilung auch menschlich umgehe und nicht von vorne herein nur die finstersten Absichten unterstelle.“

    Da bin ich ganz deiner Meinung. Nur sollte man auch die Stärke haben, einen Fehler zuzugeben und es anders zu machen, wenn man neue Erkenntnisse gewinnt. Und mehr als eine Meinung gelten zu lassen.

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