Nur Teil eines Gruppenkonstrukts

Was für eine spannende Zeit, was für eine spannende Woche. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

Montagsspaziergang

Montagabend der inzwischen obligatorische Kerzenspaziergang in Fritzlar.

Menschen ansprechen. Flyer verteilen. Flyer auslegen. Austauschen. Sich gegenseitig Mut machen.

Das anschließende Einkaufen im Tegut war sehr nett. Fast alle im Laden ohne Maske. Super!

Überraschung

Dann der Besuch der Polizei hier, weil mich jemand denunziert hat, dem meine Maskenfreiheit offensichtlich stinkt. Da bin ich immer noch nicht sicher, welchen Part daran ich unglaublicher finde.

Dass sich jemand so erniedrigt und tatsächlich wegen eines Facebook-Kommentar bei der Polizei anruft oder dass die tatsächlich deswegen ausrücken macht mich einmal mehr fassungslos.

Auf jeden Fall hat mich das dazu animiert, dass ich jetzt wieder Beiträge auf FB poste. Denn offenbar ist wirklich noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Also liebe Denunziantin. Ich habe keine Angst. Und: Jetzt erst recht.

Gewaltfrei kommunizieren

Dann ist da ja noch der GFK-Kurs, den ich gerade mitmache. Zusammen mit meiner Freundin. Online natürlich. An vier Donnerstagen gibt es jeweils einen 3 Stunden Workshop. Und zwischendurch noch Hausaufgaben. Es macht Spaß, ist aber wirklich anstrengend.

Im Moment bin ich noch ein bisschen hin- und hergerissen, wie ich diese Art der Kommunikation bewerte. Ich warte mal bis zum Ende des Kurses ab und ziehe dann mein Fazit. Denn gerade sind in meinem Kopf noch sehr viele lose Enden, die sich hoffentlich noch zusammenfügen.

Grundgesetz endgültig begraben

Zum ersten Mal hat auch das Bundesverfassungsgericht das Verbot einer Demo in Bremen bestätigt.

Nicht regierungskritische Demos sind immer erlaubt. Da spielt auch Abstand und Maske keine Rolle.

Wie genau passt das zu der Begründung, dass durch das Verbot ein möglicher Gesundheitsschaden vermieden werden soll?

Wo ist da die Logik? Nirgends, es geht einzig und alleine darum, andere Meinungen zu unterdrücken. Wer da noch von Demokratie spricht, hat offenbar nichts verstanden.

Tja, und damit befinden wir uns nicht mehr in einem funktionierenden Rechtsstaat.

Kreativität ist gefragt

Wir werden zum Glück immer kreativer.

Weihnachtsmarkt mal anders ist nur ein Beispiel.

Gestern hatte sich zufällig 😉 rumgesprochen, dass es in Kassel gegen 16 Uhr Glühwein und Kekse gibt auf dem Königsplatz. Sogar die Ordnungshüter waren schon da.

Sie waren aber der Meinung, dass es einen stehenden Weihnachtsmarkt nicht geben darf. Auch, wenn wir einzeln stehen. Mit fünf Meter Abstand. Denn wir seien Teil eines Gruppenkonstrukts.

Leute, ich lerne hier jeden Tag neue Wörter. Bis gestern dachte ich noch, ich bin ein Mensch. Okay, in den Augen unserer Politiker offenbar schon länger nicht mehr. Aber bei unseren Ordnungshütern vielleicht?

Nein, offenbar nicht. Teil eines Gruppenkonstrukts. Und als ein solches Teil darf ich da nicht stehen. In welcher Verordnung steht das eigentlich?

Nun gut. Wir sind ja flexibel. Und wenn man sich bewegt, haben auch viel mehr Menschen etwas davon. Sozusagen ein beweglicher Weihnachtsmarkt.

Das ein oder andere Kind hat sich über eine Süßigkeit jedenfalls gefreut. Natürlich mit Zange und Abstand überreicht. Sicher ist sicher.

Und auch der ein oder andere Glühwein wurde angenommen. Unter anderem von einem typischen Antifanten (sorry, ich weiß, keine Schubladen).

Bleibt stehen, lässt sich den Becher mit Glühwein geben und im Weggehen nuschelt er in seine Maske „Aber Nazis seid ihr trotzdem.“

Ach ja, dadurch wird man also nicht vollautomatisch zum Nazi, wenn man sich einen Glühwein von angeblichen Nazis schenken lässt? Oder reicht das „In-die-Maske-nuscheln“ als offizielle Distanzierung. Ist doch immer wieder interessant die Auslegung. Hoffe, der Glühwein hat gemundet.

Wobei mir bis jetzt noch keiner erklären konnte, was genau denn so ein Nazi ist. Ist ja auch egal. Ich bin eh keiner.

Netterweise war am Rathaus für uns sogar ein riesiger Weihnachtsbaum mit Lichterkette geschmückt. Dort tanzten wir, musizierten gemeinsam und sangen. Immer hübsch begleitet von mal mehr, mal weniger Ordnungshütern. Mal nur das Ordnungsamt, mal Polizei. Sie stehen ja die ganze Zeit über Funk in Kontakt. Und es ist so witzig, dort zuzuhören. Musst du mal machen.

Manchmal tun sie mir schon fast ein bisschen leid. Da sind Menschen in der Innenstadt von Kassel unterwegs. Ja, ist so am Samstagnachmittag. Ist ja auch nicht verboten. Noch nicht, möchte ich fast sagen.

Einem der Ordnungshüter bot ich einen Keks an. Nein, natürlich bin ich ihm nicht zu nah gekommen. Ich habe nur gefragt, ob er einen möchte. Er hätte ihn sich ganz sicher alleine vom Wagen nehmen können. Ohne jemandem zu nahe zu kommen.

„Nein.“ war die Antwort. „Und Sie wissen schon, Sie dürfen niemandem Kekse anbieten.“

Echt jetzt? Nö, weiß ich nicht. Ich gebe zu: Ich lese keine Verordnung. Ich schau mir diese ganzen Schwachsinns-Vorschriften nicht an. Aber steht da wirklich drin, dass ich meinen Mitmenschen nichts mehr zu essen geben darf?

Glaube ich nicht. Da hat nämlich bestimmt keiner dran gedacht. Wer gibt schon fremden Menschen einfach so etwas ab. Ich glaube, dass kommt in den Köpfen dieser Verordnungsmenschen nicht vor.

So cool – Lass uns gemeinsam feiern

Auf dem Rückweg in Richtung Königsplatz dann noch ein tolle Aktion gemeinsam mit einem Straßenmusiker. Der sich aus allerlei Haushaltsgegenständen ein Schlagzeug gebaut hat.

So cool. Lachen, singen, tanzen. Viele Menschen blieben stehen, hatten Spaß.

Es war so richtig schön. Inzwischen sind einem die Menschen, die man jede Woche auf der Straße trifft, ans Herz gewachsen.

Und meine Hunde sind auch supercool in der Stadt. Wir haben sogar ein bisschen getanzt und Applaus bekommen. Ein bisschen Normalität in dem ganzen Wahnsinn tut wirklich gut.

Premiere, es geht voran

Und dann auf der Heimfahrt noch ein wunderbares Erlebnis. In der Tankstelle war außer mir ein Kunde OHNE diesen Drecksfetzen vor seinem Gesicht.

Den musste ich ja gleich mal anstrahlen. Premiere nach all diesen Monaten. Es geht aufwärts.

Ich bin gespannt, was die neue Woche bringt. Wir müssen an vielen Orten mit vielen Menschen sein. Überall. Immer wieder. An anderen Orten. Zu anderen Zeiten. Mit anderen Aktionen.

Unberechenbar.

Wir sind viele. Das sollten wir nutzen. Also runter vom Sofa. Raus auf die Straße.

In diesem Sinne. Wir sehen uns auf der Straße.

Claudia

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